Review and Conclusion after 9 months …

14. Januar 2016

von Lysann

13. Januar 2016 - 22:45 Uhr - Addis Ababa 

…ich warte auf meinen Flug nach Paris. Nach 9 Monaten im ‚Feld’ fliege ich nach Hause. Nach Hause, das klingt gerade mehr befremdlich als es das sein sollte; war ich doch fast ein Jahr im jüngsten und in einem der ärmsten Länder der Welt ‚zu Hause’.

Nach den anfänglichen Schwierigkeiten sich mit einem so ganz anderen Leben und Arbeit zu arrangieren, hatte ich meinen Platz oder meine Rolle im System MSF doch gefunden, wundervolle Menschen kennen gelernt und Freunde gefunden. 

Es fiel mir heute schwer zu gehen, sehr sogar …

Die Malaria Peak Saison toppte auch dieses Jahr wieder die Zahlen zu den Vorjahren, viele Kinder haben wir gerettet, aber auch viele verloren. Erkrankungen, die es bei uns schon seit Jahrzehnten nicht mehr gibt, haben wir nach gutem Gewissen und mit der Hilfe der vielen Guidlines & Handbooks behandelt; und oft standen wir unfassbar vor einer aussichtslosen Herausforderung (Tollwut, Tetanus, Poliomyelitis etc.) und das neben unzähligen Schlangenbissen und Verbrennungen, verursacht durch die offen Feuerstellen. Mangelernährte Kinder mit ihren multiplen Zusatzerkrankungen waren immer zu finden; Tendenz steigend. Der Umgang mit der hohen Mortalitätsrate im Hospital hat uns allen zugesetzt und oft fanden wir kein Ende darüber zu reden, keinen Schlaf oder betäubten uns mit anderen Substanzen.

Einen ‚normalen’ acht Stunden Tag gab und gibt es hier eher nicht oder äußerst selten und wir kamen nicht selten an unsere physischen und psychischen Grenzen. Unsere Körper sprachen da ihre eigene Sprache und teilten uns mit, mit welchen Belastungen wir umgehen können und auch, wenn eine Pause nötig war. Einige Expats gaben auf und ihnen wurde der gleich Respekt gezollt, wie denen, die blieben. Durchfall, Erbrechen, Hautausschläge, Erschöpfungszustände, Müdigkeit, Grippe/Erkältungen sind nur einige der bunten Bilder, die auch wir als Expats ‚boten’ und jeden, ja jeden traf es irgendwann mit irgendwas unerklärlichem.

Unzählige Sicherheitsvorkehrungen und eine streng einzuhaltende Ausgangssperre ‚curfew’ beschränkten unser Dasein oft im Compound. Dennoch gab es auch einige Bars und Restaurants, die ich so sehr schätzen lernte, nicht wegen Getränk oder Essen; sondern einfach um mit einem neu gefunden Freund ein so ganz anderes Gespräch – ohne Hospitalalltag – zu führen. Zum Glück hatte ich diese Menschen immer an meiner Seite; die Abschiede fielen umso schwerer, bis heute vermisse ich den ein oder anderen wunderbaren Menschen. Die Dynamik im Compound ist eine ganz besondere und jeder einzelne veränderte uns. Wir waren meist mehr als 25 Expats, die sich mit Köchen, Wachtmännern und Fahrern den Compound teilten.

Meine Position hatte sich nach nur 4 Monaten von der ‚Deputy Head Nurse’ zu ‚Head Nurse’ verändert, a big jump und eine riesige Herausforderung als ‚first missioner’ im größten MSF Project. 280 Mitarbeiter und oft über 200 Patienten lagen in meinem Verantwortungsbereich, natürlich nicht allein. Ohne Teamwork ist in einer Mission nichts, gar nichts möglich. Die Krankenschwestern und Hebammen lagen in meinem Verantwortungsbereich und sie waren mein größter Halt und enorme Stütze – ohne sie hätte ich aufgegeben.

…und nun sitze ich hier, auf einer Bank im äthiopischen Flughafen und das mit sehr gemischten Gefühlen. Ich bin unfassbar müde, fühle mich etwas verloren. Ich vermisse mein Team; meine Expats und auch meine nationalen Kollegen und natürlich alle ‚meine’ Kinder , die ich so sehr ins Herz geschlossen habe. Ich werde diese Zeit nie vergessen, sie war einer meiner größten Herausforderungen und einer meiner wunderbarsten zugleich. Nun wartet eine ganz andere auf mich; ankommen…

… aber fast sicher ist, dass ich weiter mache, habe mich ‚infiziert’ mit dem MSF Virus. Aber zuerst De-briefing in Paris und Berlin; meine Familie besuchen und meine Freunde sehen und natürlich eine Reise planen…

Ich bedanke mich bei meiner Familie, meinen Freunden und auch bei den ein oder anderen Begleiter für die Unterstützung während meiner Mission. Es ist nicht immer leicht alle Kontakte auf Distanz zu wahren, zu halten und zu pflegen. Versäumnisse und Achtlosigkeiten, bitte ich euch zu entschuldigen und nicht persönlich zu nehmen. Ihr wart und seid alle in meinem Herzen, immer gewesen…

Meine größte Anerkennung gilt ‚meinem’ Kids im Hospital, die sooft gar keine Kindheit hier haben, sich tapfer mit den rauen Leben und oft schweren Erkrankungen auseinandersetzten müssen und dennoch strahlen…

Am Ende möchte ich eine ‚Tatsache’ zitieren, die mich meine ganze Mission begleitete und immer wieder Wirkungsvermögen brachte:

‚Glaub an dich

Wissenschaftler haben festgestellt, 

dass die Hummel zu schwer ist und 

zu kurze Flügel hat, um fliegen zu können. 

Die Hummel weis davon nichts-

Und fliegt.’

Danke für euer Interesse an meinem Blog .

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ChRisTmas in the HosPiTaL

27. Dezember 2015

von Lysann

Merry Christmas in Aweil Civil Hospital

Neben unserem, immer noch andauernden ‘Kampf’ gegen Malaria,

war es eine willkommene Abwechslung am Weihnachtstag,

Süssigkeiten im Hospital zu verteilen.

Weihnachtsmann etc. sind hier nicht bekannt und nicht nur die Kinder waren angetan von dieser kleinen Geste…

…und für mich die mentale Reise, zurück zum eigentlichen Sinn dieses Festes. 

Menschen 

Beziehungen - Liebe – Respekt - Akzeptanz - Toleranz 

Christmas in South Sudan …

20. Dezember 2015

von Lysann

 

In ein paar Wochen ist meine Mission beendet und meine anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten verschwimmen in ein Gefühl von Stolz , doch geblieben zu sein, und das fast 9 Monate. Neue Expat’s sind schon lange angereist und ich bin nun die ‘Älteste’ von allen…  Unsere Malaria Peak Season 2015, brachte mehr Patienten und Tode als die letzten Jahre und nun  haben wir sie fast überstanden. Mittlerweile dealen wir wieder mit anderen exotischen Erkrankungen, die in unserer Welt so gar keine Rolle mehr spielen, wie Tetanus, Keuchhusten, Polio etc.

Whatever… it’s christmas now

Letzten Freitag hatten wir eine Staff (Mitarbeiter-) Party, meint, dass wir unsere 400 Angestellten vom Hospital, Logistik and Admin Team in unseren Compound einluden. Zuvor wurde eine Kuh, oder besser ein Stier auf dem Markt ersteigert und noch vierbeinig eine Nacht bei uns gefüttert und streng bewacht …

Am andern Morgen kamen alle unsere Guard’s, Driver und Köche, um das arme Tier zu präparieren für den Festschmaus. Was für ein Anblick, nachdem das arme Vieh geschlachtet  (ich war nicht dabei) und zerlegt wurde, kreisten die Geier schon darum herum…

Nach getaner Arbeit im Hospital war die Party schon langsam am ‘Anlaufen’ und die ersten Gäste sassen aufgeregt auf den Plastikstühlen oder kreisten um den Braten, der auf drei oder vier Feuerstellen zugerichtet wurde. Unser Medical Team kam verspätet, da wir mal wieder Patienten im Korridor hatten…

Aber auch eine Ansammlung von Menschen säumte sich, wie eine Traube um unseren, von Stacheldraht umsäumten Compound und tanzte schon wie wild zu unserer südsudanesischer DINKA music. Alle wollten rein, aber das war nicht erlaubt und kann es auch nicht. Die politische Lage war und ist sehr angespannt, die Inflationsrate so hoch wie noch nie, Basisnahrungsmittel fast unbezahlbar und die Armut der Spiegel einer korrupten Regierung. Anstatt Essen, Gesundheit und Bildung zu bieten, werden immer noch lieber Waffen importiert und Gründe sie zu benutzen, gefunden.  Die Stämme (Tribes) sowie die Regierung an sich, können mit friedlichen Knoversationen scheinbar nichts anfangen und profilieren sich mit brutalen Machtgehabe zu Ungunsten ihres Volkes, dass nach 20 Jahren sichtlich müde erscheint…

Die NGO’s, zu denen auch MSF, ARC, ICRC etc. gehören, sind für ihre humanitären Aktionen zwar willkommen, aber sie spiegeln auch eine andere Welt, eine nicht greifbare. Verständlich!? Wir leben abgeschottet in einem besonderen so ganz eigenem Bereich, werden Tag und Nacht bewacht, haben Autos, die uns am Tag ins Krankenhaus oder am Abend in die Bar fahren, bekommen dreimal täglich zu essen und so manch Expat agiert nicht gerade sensibel, zu betonen wo er oder sie herkommt und happy bald wieder nach Hause zu kommen – End of mission.

Zurück zu unserem Fest, unser Staff war dennoch happy eingeladen zu sein, zu essen und zu trinken und tanzen mit den untalentierten Expats :-) der DINKA Tanz ist ein ganz eigener und neben den Runden ‘drehen’ in einem Kreis, stampfen die Männer wie wilde Gockel in der Mitte und erzeugen den Eindruck eines ‘Balz-Gehabes’, während die Damen wie wild um sie herum kreischen und sehr unterschiedliche – meist sehr laute und schrille  - Töne hervor bringen.

Es war einfach schön anzusehen (und hören), dass diese Menschen so viel Energie in sich tragen und mit so viel Stolz und ihren aufgeputzten Kleidern posieren. Wir hatten so viel Spass, leider hielt der nicht lange an, denn auch die ‘draussen’ Geblieben wollten nun wirklich rein und fingen an, Steine über den Stacheldraht zu werfen und unsere Tore zu demolieren. Das war das Ende und unser Boss beendete die Party – aus verständlichen Sicherheitsgründen. Da wird nicht diskutiert, sondern ‘gehorcht’.  Es dauerte eine Weile bis sich die Lage beruhigt hatte und alle nicht geladenen Gäste verschwanden.

Ich war heute ‘on call’ wie so manchen Sonntag und auch wenn es nur eine nicht lang anhaltende Party war, freuten sich meine Kollegen mich zu sehen und bedankten sich für die Einladung und meine scheuen ‘dinka’nischen’ Tanzversuche.

Und ich ? Ich bedankte mich Gast in IHREM Land zu sein.

Merry Christmas