Ein Monat im Südsudan …

23. Mai 2015

von Lysann

Ein bisschen über alles hier …

Me’decins Sans Frontieres (MSF) hat mehr als 3100 local staff (Einheimische) und ca. 340 international staff (Expats) in Südsudan angestellt. Neben Gesundheitsfür- und nachsorge, Prävention (Familienplanung und Impfkampagnen) werden Operationen, Geburtshilfe etc. in den 17 Projekten angeboten.

Norther Bahr el Ghazal State ist eine Provinz im Norden vom Südsudan an der Grenze zum Sudan. Aweil – Dinka Town.

Die Dinka sind eine afrikanische Ethnie und sie besiedeln den größten Teil der Landesfläche; mit geschätzten 2,5 bis 3 Millionen Angehörigen sind sie die stärkste Volksgruppe des Landes. Die Unruhen 2013/2014 um die politische Führung im Südsudan mit rund einer Million Flüchtlingen in der Region sind die Eskalation eines lange andauernden Konflikts zwischen den Dinka und dem Volk der Nuer.

Aweil Civil Hospital – da arbeite ich. Insgesamt bin ich mit meiner Kollegin aus den USA für ca. 300 national medical staff verantwortlich. Das ist hier eine Kür, denn das Dinka Volk ist ein ganz eigenes. Sehr stolz, vom langen Krieg und Armut geprägt, wenig gebildet und kaum oder gar keinen Zugang zum Gesundheitssystem. Es ist jeden Tag ein Balanceakt sondergleichen zwischen dem immensen Stolz dieses Volkes und der Einsicht der nötigen Veränderung. Neben dem versuche ich hier zu lehren, Themen wie Hygiene, Malaria, Durchfall, Fieber, Diabetes etc. – für staff und patients.

Das Einzugsgebiet unseres Krankenhauses ist riesig, da es keine anderen Krankenhäuser im Umkreis gibt. Mit riesig meine ich auch riesig und spreche von ca. 1 Mio Menschen!!! Im Monat werden hier ca. 450-500 Babys bei uns entbunden und damit sind nur die kritischen Fälle gezählt…. Daneben betreuen wir die Frühchen und schwer kranke Babys und Kinder bis 15 Jahre.
….somit
es gibt viel zu tun …

Neues von meiner Woche im Südsudan

3. Mai 2015

von Lysann

Am 23.04.2015 – Donnerstag letzte Woche bin ich nach einem Briefing-Marathon in Paris und Juba endlich in Aweil im ‚Field’ angekommen.

Just an diesem Tag entschieden sich die ‚National MSF workers’ zu streiken, so dass kein einziger oder kaum einer der Mitarbeiter am Morgen im Krankenhaus erschien. Die Patienten blieben sich – erst mal – selbst überlassen. Die ganzen Expat’s (international MSF workers) arbeiten im Krankenhaus und versuchten zu kompensieren. Jeder, ob Admin, Logistiker, Outreach etc. versuchten im Kreißsaal, im OP, in der Neonatologie oder in der Pädiatrie auszuhelfen. Diese Stationen werden von MSF hier im Aweil Civil Hospital betreut.

…und nun kam auch noch ich ins Spiel. Nicht gerade ein guter Zeitpunkt, aber ich wurde freudig begrüßt vom Team, ca 25 international expats von den US, Frankreich, Australien, Kanada, Somalia etc.

Als neue ‚deputy head nurse’ versuche ich nun seit einer Woche mich hier ‚durchzuboxen’. Über 300 national staff sind zu betreuen, unterrichten und managen – die Verantwortung ist somit groß. Wir arbeiten 6 Tage in der Woche und oft mehr als 10 Stunden am Tag. Neben der brutalen Hitze, einer unvorstellbaren Armut und dem nicht zu übersehendem Leid, die tägliche Konfrontation mit dem Tod, die Bedingungen unter denen wir hier arbeiten, Sprachbarrieren, Orientierungsstörungen, sich an die verschiedensten südsudanischen Namen erinnern, Schlafstörungen, Durchfallattacken etc. sehe ich diese Mission schon jetzt als eine riesen Herausforderung und ‚Ärzte ohne Grenzen’ macht seinem Namen hier alle Ehre…

Briefing in the city of love…

17. April 2015

von Lysann

    Seit Mittwoch bin ich in Paris zum ‘briefing’ – so in der MSF-Sprache. Hier erhält man alle wichtigen Information rund um das Projekt und das Land der anstehenden Mission. Nun ist nicht nur, mein viel zu schwerer Rucksack gefüllt, mein Kopf ist es auch.

‘Ärzte ohne Grenzen’ ist die deutsche Übersetzung des Namens der 1971 gegründeten größten internationalen Organisation für medizinische Nothilfe ‘Médecins Sans Frontières’ (MSF). Die private, unabhängige Hilfsorganisation leistet medizinische Nothilfe in Krisen-und Kriegsgebieten. Hierfür wurde ihr 1999 der Friedensnobelpreis verliehen.

Ich bin in Frankreich / Paris – hier wurde MSF einst gegründet und jeder, der mit Rucksack die ‘heiligen’ Hallen betritt, hat viel im Gepäck und meist glänzend aufregend schauende Augen, denn die ersehnte Mission steht an. So auch  meine! Am Sonntag geht es über Äthiopien in den Südsudan nach Juba, wo nächste ‘briefings’ auf mich warten …

I get ready!